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Abgetaucht .......

Gleich muss ich abspringen .................. ?!

Die See glitzert in morgendlicher Sonne und blendet mich.

Ich warte auf das Kommando ….......... Go ......, welches ich vor 10 Jahren das letzte Mal hörte, als ich auf Velingandu, einer Insel der Malediven, tauchen war.

Ich bin in Neopren gepresst, mir fällt das Atmen schwer, mein Puls schießt nach oben. Bleigürtel, Presslufttank, Tarierweste, lasten mit einem gefühlten Gewicht von 200 Kilogramm auf mir und drücken mich auf die Heckplattform des Bootes.

Ich empfinde mich selbst als Betonklotz.

Ein letzter mentaler Check „hast Du an alles gedacht, nichts vergessen was verhängnisvoll wäre?!“

Hardy, ....... alles ist Okay ...... sage ich zu mir selbst.

Ich betätige Ventil und Luftschlauch der Tarierungsweste, blase etwas Luft in die Weste, damit ich nach dem Absprung ins Wasser nicht wie ein Stein versinke.

Setze mir die Taucherbrille auf, führe den Atemregler zum Mund und beiße vor Aufregung fest auf den Gummi meines Mundstücks.

Eine letzte Maßnahme, ich muss mit einer Hand meine Maske und Atemregler festhalten, damit diese beim Eintauchen ins Wasser nicht verreißen.

Das Kommando erfolgt:

„Are you ready?“

„Yes!“

„Go!“

Ich springe im Scherenschritt von der Bootskante.

Die See begrüßt mich liebevoll, umarmt mich, zieht Hardy gefühlte zwei Meter in die Tiefe. Langsam steige ich wie ein Ballon zur Wasseroberfläche auf.

Gut das die Tarierweste mit Luft aufgeblasen ist.

Etwas Wasser dringt unter meinen Anzug, streichelt meine Haut mit angenehmen 26 Grad.

Ich fühle mich schwebend leicht, kein lästiges Gewicht ist mehr spürbar.

Der Betonklotz verschwunden.

Ein wunderbares Gefühl.

Bis das gesamte Tauchteam im Wasser ist, verbleiben mir noch einige Minuten an der Wasseroberfläche.

Ich muss jetzt an Angel (ika) denken, sie war für ganz kurze Zeit meine „menschliche See.“ Ich erlebte mit Ihr ähnlich fantastische Momente, die ein Mann nur mit einer außergewöhnlichen Frau erleben darf.

Sanfte zärtliche Stille, Geschmack, Duft, Vertrautheit, erregende Feuchte, Liebesgeflüster und unzählige Berührungen.

Diese beschriebenen Momente erlebten wir gemeinsam in der Nacht aller Nächte. Der heiligsten Nacht des 24. Dezember 2014.

Es ist m(ein) Vergleich!

Wir liebten uns beide.

ähnlich einer flüsternden See, bis hin zu gigantischen Wellenbergen, die in sich zusammenbrachen.

Wir durften ein breites Spektrum an Energien leibhaftig erleben. Danke für diese unvergesslichen Momente.

Der Tauchführer gibt sein Zeichen zum Absinken. Aufregung, mein Puls schießt nach oben.

Jetzt heißt es Ruhe bewahren!

Noch einmal tief Einatmen und Ausatmen, das Entlüftungsventil der Weste öffnen. Die Luft entweicht, sofort zieht mich das gesamte Ausrüstungsgewicht in die Tiefe.

Es geht zu schnell, mir schmerzen die Ohren, ich muss sofort meinen Druck ausgleichen. Wenn ich dies zu spät tue, dann sind Hardys Trommelfelle im Eimer.

Ich tariere meine Weste mit Druckluft aus dem Presslufttank, bringe mich Schritt für Schritt in einen wundervollen Schwebezustand.

Schwerelos befinde ich mich nun unter der Wasseroberfläche des roten Meeres. Vertrauensvoll und furchtlos ergebe ich mich Ihrem Mutterleib.

Oft checke ich meinen Tauchcomputer am linken Handgelenk. Er zeigt mir permanent Tiefe, Tauchzeit, Sicherheitsstopp an.

Ich bin jetzt bei neun Meter Tiefe und sinke und sinke und sinke ganz langsam.

Ich bin zurück in meiner Welt, immer wieder aufs Neue überwältigt von der unendlichen Artenvielfalt, welche sich in Farben, Fischen, Korallen und mir fremden Lebewesen zu erkennen gibt.

Es ist seit 10 Jahren mein erster Tauchgang, habe einiges vergessen und muss mich zum Selbstschutz sehr auf meine Sicherheit konzentrieren.

Oft, zu oft musste ich nachtarieren, um ein zu schnelles Aufsteigen bzw. Absinken zu vermeiden.

Nach etwa 20 Minuten fühle ich mich angekommen. Ruhe, unendliche Ruhe, überwältigt mich.

Ich gleite über prächtige Korallenbänke hinweg, in denen kleine Fische und andere Lebewesen ihr geschütztes zu Hause haben.

Sie beobachten mich.

Ich denke mir ,,,, keine Angst ihr Kleinen, ich halte respektvollen Abstand zu Euch ein ,,,,,. Bewachsene Korallenwände und Felsen präsentieren mir farbprächtige Korallengärten in noch nie gesehenen Formen.

Befinde ich mich auf einem anderen Planeten? Hier sieht so vieles fremd aus.

Alles was ich sehe, ist schwer in Worte zu fassen … es ist ein grandioser Garten Eden unter Wasser.

Jede dieser Korallen beherbergt unzählig bunte, vielfältige Fische und Kleinstlebewesen. Wir schweben zwischen Korallenbänken hindurch und gleiten ab ins tiefe, immer dunkler werdende Blau.

Da .... !!!

Ein großer Napoleon zieht herrschaftlich seine Bahnen, unbeeindruckt von meiner Anwesenheit.

Dieses glasklare Wasser in verschiedenen Blautönen, beruhigt mich sehr. Eröffnet mir unbeschreibliche Ausblicke und Gefühle, es berührt meine Seele.

Wir sind auf 17 Meter Tiefe angekommen, gleiten völlig schwerelos vor uns dahin. Vergleichbar mit Astronauten im Weltall.

Ich nehme nur meine Atmung wahr, ein Rauschen beim Einatmen, ein geräuschvolles, störendes Blubbern beim Ausatmen.

Ich versuche mit ruhiger Atmung meine Pressluft zu steuern.

Nach dem Ausatmen halte ich für kurze Zeit die Luft an, solange es mir möglich ist.

Nur keine Blubbergeräusche verursachen.

Ich weiß, das ist gefährlich.

Hardy will einmal in seinem Leben—das Meer hören und ganz anders spüren, nah, ganz nah wahrnehmen!!!

Bin auf dem Grund angekommen, der Computer zeigt mir --- 20,70 Meter!!! Tiefer darf ich nicht mit meiner Lizenz tauchen.

Es ist soweit, jetzt atme ich tief aus, sinke auf die „weiche Haut“ der See, den weißen Sandboden.

Ich bleibe liegen.

Was geschieht hier und jetzt...............????

Mich überwältigt plötzlich eine noch nie erlebte Gelassenheit und Ruhe, ein wundervolles unbeschreibbares Gefühl.

Jetzt bin ich mit „Ihr“ innig verbunden, umschlungen, geborgen, fühle mich glücklich, wie nach einem hingebungsvollen Liebesakt.

Ich glaube, es ist meiner mentalen Fähigkeit zu verdanken, dieses innige Gefühl wahrnehmen zu dürfen.

Für einen kurzen Moment fühle ich die unendliche Größe, Schönheit, Artenvielfalt aller Meere unseres Planeten.

Plötzlicher Abbruch!

Alexander, mein für mich verantwortlicher Tauchführer, unterbricht mich in meiner“ Liebesumarmung“.

Er war erschrocken und glaubte, ich hätte gesundheitliche Probleme. So einen Taucher hatte er wohl noch nicht erlebt.

Langsam setze ich mich mit ruhigen Flossenschlägen in Bewegung, gleite schwebend ganz nah über dem Seeboden hinweg.

Ich will die gesamte Umgebung „visuell aufsaugen“, die ich als den inneren Leib der See verstehe.

Wie in Trance bewege ich mich zwischen gelben und pinkfarbenen Korallenblöcken hinweg.

Kleine „Nemos“ (Clownfische) verstecken sich in ihrer Beschützerin, einer Symbiose Anemone.

Neugierig beobachten mich diese kleinen Wesen und verschwinden gleich wieder in den vielen und weichen Tentakeln Ihrer Beschützerin.

Plötzlich entdecke ich ein ganz besonderes Lebewesen, einem Raumgleiter gleich. Einige Meter vor mir liegt ein wunderschöner großer Rochen auf dem weißen Meeresgrund.

Ich beobachte ihn, er mich.

Seine auffällig großen schwarzen Augen starren mich an.

Wir beide liegen ganz entspannt auf dem Grund, betrachten uns mit gegenseitigem Respekt.

Völlig ruhig genieße ich diesen Moment, halte Abstand, um ihn nicht zu verschrecken. Ein Wunder der Natur, in silbergrau gehalten, mit großen neonblauen Punkten auf seinen Flügeln.

Und da warst du wieder bei mir ,,,,,,,,,,, Angel (ika) ,,,,,,,,,,,.

Wie ein Engel, Dir gleich, schwebte dieses Lebewesen mit seinen Flügeln auf und davon, langsam, bedächtig, weg aus meinen Augen, verschwindend im dunklen Blau der See.

Zurück, schwer beeindruckt von diesen Erlebnissen, kam ich in mein Zimmer und habe Dir diese besonderen Erlebnisse gewidmet.

Danke dass du bei mir warst!

Die Nacht des 24. Dezember 2014 wird mir unvergesslich bleiben. You are always on my mind.

Egypt, den 06.01.2015

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